Kritik von Vince
KILL ZONE SPL
Wahnsinnig intensives Charakter-Schachspiel, bei dem der Zuschauer keinen Gegner außer sich selbst hat und deswegen gezwungen ist, ständig die Fronten zu wechseln, im Wechsel mal Schwarz, mal Weiß zu bedienen.
Das Spiel ist zwar alt, aber eben universell, und wenn der Konflikt interessiert, hat der Film schon die halbe Miete eingefahren. Der Konflikt interessiert - und wie. In bester Bloodshed-Manier, obendrein die Woo'sche Blutfehde sogar rückwärtswendend durch den bei Woo noch verpönten Schwertkampf, sind die Spannungen zwischen den Figuren der ganze Antrieb der Geschichte, die damit steht und fällt. Und da leisten sowohl Donnie Yen als auch Sammo Hung als auch Simon Yam einige ihrer besten Leistungen. Gerade Hung hat mich erstaunt, nicht nur in seinen Fights (aber auch da kann ich es immer wieder aufs Neue kaum glauben), sondern vor allem durch seine absolut schwer einzuschätzende Ausstrahlung.
Zwar war mir der Score, der gefühlte 90 Minuten durchlief, einen Tick zu dominant, aber die damit verbundene depressive Stimmung stellt sogar gelungene Assoziationen zum Schuld und Sühne-Modell und verbindet sich hervorragend mit den von Selbstzweifeln geplagten Charakteren - ein Stück weit kann man da sogar Film Noir-Fragmente entziehen.
Die Actionsequenzen sind ausgesprochen kurz, aber extrem intensiv und natürlich perfekt choreographiert, und der Ausgang des letzten Duelles mitsamt dem "Nachbeben" ist geradezu sensationell in ihrer Anordnung, in Schnitt und Zusammenspiel von Bild und Ton. Insgesamt braucht "SPL" bei seinen gerade mal 90 Minuten einen Tick zu lange, um aufzuwärmen, aber er wird stärker und stärker und lässt einen am Ende beeindruckt zurück, ist bis dato definitiv das würdigste Kind des ursprünglichen Heroic Bloodshed.
8/10