Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die neunschwänzige Katze
deadlyfriend
09.07.2008, 18:51
Gesamtübersicht aller Kurzkritiken zu Die neunschwänzige Katze:
#02 09.07.08 deadlyfriend (http://www.filmvisionaere.com/showpost.php?p=6272&postcount=2)
deadlyfriend
09.07.2008, 18:52
Die neunschwänzige Katze (http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=357)
Der durch einen Unfall erblindete Ex-Journalist Franco Arno hat sein Gespür für eine Story nicht verloren. In einem benachbartem Forschungsinstitut wurde eingebrochen. Kurz darauf verunglückt ein Mitarbeiter des gleichen Instituts tödlch. Er wittert einen Zusammenhang und nimmt mit einem Reporter und seiner Nichte die Fährte auf.
In seinem zweiten Film liefert Dario Argento weniger einen reinen Giallo, sondern eher einen lupenreinen Kriminalfilm ab. Man erkennt noch deutlich die Strukturen des fast typischen 60er Jahre Krimis im "Who done it?" Stil und gleichzeitig seinen Faible für Alfred Hitchcock, den er in seinen späteren Filmen kaum noch erkennen ließ. Von der Hommage "Do you like Hitchcock?" natürlich abgesehen. Äußerst interessant ist die Tatsache das die Morde sehr an Frenzy erinnern, nur das dort die Perspektive des Zuschauers wechselt. "Frenzy" ist allerdings erst 1 Jahr später erschienen. Ein Schelm der Böses denkt, aber ich bezweifel mal das sich Hitchcock etwas von einem bis dato unbekannten italienischen Nachwuchstalent abgeschaut hat.
Seine gewohnte optische Arbeit ist hier nicht so opulent das man Dario Argento in jeder Szene erkennen könnte. Dafür scheint der Film zu konventionell. Doch trotzdem gibt es geniale Momente zu bewundern. Die Endsequenz ist einfach ganz großes Kino und auch die Szene mit dem Zug ist einfach atemberaubend. Da hat Argento sein Können schon in seinen Anfangszeiten unter Beweis gestellt. Auch die Farbe Rot, auf die er ja später des Öfteren zurückkommt, ist hier schon sehr schön verarbeitet. Trotzdem ist der Film sehr ruhig inszeniert und kommt eher in gemächlichem Tempo daher, was ich persönlich sehr schätze. Gerade die Szenen in der Gruft bzw. auf dem Friedhof sind unaufdringlich aber unterschwellig spannend fotografiert. Die Auflösung ist dafür leider nicht sonderlich spektakulär und man kann sehr früh das Motiv erahnen. Nur den Täter entlarvt man nicht so einfach, da Argento einige Spuren gelegt hat die in die Irre führen können.
Die Darsteller sind erste Sahne. Karl Malden spielt den Blinden absolut stark und auch sein Kollege James Franciscus ist hervorragend. Die kleine Cinzia de Carolis fügt sich nahtlos ein. Dieses Trio macht wirklich Spaß und das Zusammenspiel ist absolut gelungen. Besondere Highlights sind natürlich auch die Auftritte von Horst Frank der einen der Tatverdächtigen mimt.
Für Argento Fans nicht zwingend ein Highlight aber für Nostalgiker und Freunde des "alten" Kriminalfilms sehr empfehlenswert.
Auch wenn ich nur wenige Argento-Trademarks erkennen konnte, die neunschwänzige Katze ist gut für einen ordentlichen Krimiabend. Mir hat besonders der Mord im Fotolabor gefallen (ich stehe halt auf diese Farbenspiele ;)). Leider habe ich nur die deutsche Kinofassung gesehen, es fehlen also ca. 20 Minuten. Ist mir da was entgangen, oder funktioniert der Film auch in der "Kurzfassung"?
deadlyfriend
21.09.2008, 02:01
Das kann ich dir leider nicht beantworten. Es ist zu lange her das ich die gekürzte Fassung gesehen habe um beide miteinander vergleichen zu können. Allerdings gibt es das Uncut-Digi als Doppel DVD im Schuber für gerade mal 5 Euro im Amazon Marketplace. Das ist ein absolutes Schnäppchen da der Release wirklich gelungen ist.
Ich hab' nur 2,99 € bezahlt... :D
Mir erschien der Film mit einer Länge von 92 Minuten als lang genug. Besonders anspruchsvoll ist die Handlung ja nicht (die Schlusspointe ist... naja :rolleyes:). Deshalb habe ich mich gefragt, was da eigentlich weggeschnitten wurde. Gore-Effekte werden es wohl kaum gewesen sein. :D
Russel Faraday
22.09.2008, 12:52
Ich hab' nur 2,99 € bezahlt... :D
Mir erschien der Film mit einer Länge von 92 Minuten als lang genug. Besonders anspruchsvoll ist die Handlung ja nicht (die Schlusspointe ist... naja :rolleyes:). Deshalb habe ich mich gefragt, was da eigentlich weggeschnitten wurde. Gore-Effekte werden es wohl kaum gewesen sein. :D
einfach mal die langfassung schauen. da werden im sekundentakt untertitel für wieder eingefügte szenen eingeblendet, die seinerzeit warum auch immer entfernt wurden. das ist nicht nur gewalt, das ist handlung ohne ende. kann mir beim besten willen nicht vorstellen, daß die kinofassung auch nur ansatzweise noch irgendeinen sinn ergibt, so fröhlich wie da die schere angesetzt wurde.
Tarantino1980
20.06.2010, 00:04
Ich habe den Film heute endlich auch gesehen. Was soll ich sagen ich bin begeistert. Wirklich ein sehr schöner Kriminalfilm. Sehr schöne Sets und Schauplätze die man dort zu sehen bekommt. Ich fand den Film sehr spannend was aus meiner Sicht sehr durch den fabelhaften Score ausgelöst wurde. Es gab einige Szenen wo ich innerlich Beifall geklatscht habe. Die Szene auf dem Friedhof fand ich ganz stark, genauso wie das gesamte Finale. Aber auch der Aufbau des Filmes hat mir sehr gut gefallen. Schön langsam erzählt und auf die Auflösung wer der Täter ist wäre ich nie gekommen, auch das Motiv war mir nicht so klar wie in machen neueren "Genrekollegen aus Hollywood". Die schauspieliche Leistung muss man auch erwähnen, es war irgendwie alles stimmig.
Wie deadly hier schon erwähnte merkte man deutlich das Argento offenbar Hitchcock mag. Einige Elemente hätten auch perfekt in einen Hitchcock Film gepasst aber dennoch hat Argento ihn nicht kopiert! Ich finde er hat wirklich ein gutes Auge für Details bewiesen bei dem Film gepaart mit sehr guten Kamerawinkeln die einfach eine spannende Atmosphäre aufbauen. Schade nur das die ungeschnittene Fassung nicht komplett Synchronisiert wurde aber da kann man drüber hinwegsehen. Sollte nicht das Filmerlebniss stören. Für mich eine klare 8.5/10. Ich bin froh ihn in meiner Sammlung zu haben.
TheBjoern
19.10.2011, 12:12
Am Wochenende habe ich meinen ersten Argento gesehen. "Die neunschwänzige Katzte" hat zu Beginn mit einem traumhaften Score von Morricone den Film eingeleitet. Da war ich schonmal begeistert.
Die Geschichte ist spannend erzählt und die Thematik "Wer ist der Mörder" gefiel mir bereits bei Ms. Marple. Nur wirkt es hier düsterer.
Ein Grund ist unter anderem ist die besonderer Art der Kameraführung. Ungewöhnliche Einstellungen, Close-ups auf das Auge des Mörders, dynamische Egoperspektiven...
Sicherlich gibt es diese Einstellungen zu Hauf in aktuelleren Filmen, besonders der Griff zur Egoperspektive ist heute schon standartisiert. Aber auch nur "heute". Man muss berücksichtigen, dass dieser Film schon fast 40 Jahre auf dem Buckel hat auch nicht aus dem groß subventionierten Hollywood stammt. An dieser Stelle darf man behapten, dass diese Kameraführung damals etwas ganz besonderes war und auch heute weis das Kameraspiel zu überzeugen, da die aktuellen Filme nicht diesen nahezu historischen, vergangen Flair einfangen können.
Mit anderen Worten, der Stil des Films gefällt mir außerordentlich gut und ich denke, dass ich auch weitere Werke Argentos mögen werde, doch hat der Film auch seine Kritkpunkte verdient.
Der erste und größte Kritikpunkt ist ein technischer. Die feste deutsche Sprache der DVD mit ihren sehr häufig auftretenden englischen (synchronisierten) Einschüben reißt ein förmich aus der Stimmung des Films. Ich hatte soetwas schon lange nicht mehr erlebt, weil ich überwiegend im O-Ton schaue. Schade, ich hätte ihn dann konsequent auf italienisch mit UT gesehen.
Der zweite Kritkpunkt geht an die eher konventionelle Art des FIlmaufbaus. Wie bereits aus den obigen Kritiken hervorgeht, ist der Film eher harmloser Natur und mehr ein klassischer Krimi als ein echter Giallo. Wobei ich mir noch kein richtiges Bild davon machen kann, was nun ein "echter" Giallo ist, kann ich trozdem diese Meinung nachvollziehen.
Am Ende bleibt mir nur zu sagen, dass der Einstieg geglückt ist und ich weiter neugierig auf diverse Fime dieser Machart bin.
Diesem Film würde ich, wenn man es in Punkten ausdrücken möchte 7/10 Punkten geben, wobei der technische Aspekt diesmal mit einspielt.
deadlyfriend
19.10.2011, 12:45
Ich bin völlig begeistert, das dir dieser Film schon so gut gefallen hat. Bin mit gemischten Gefühlen in den Thread, da ich ja jetzt wusste, das du mit diesem Film in die Argento-Welt einsteigst. Ist für mich nicht unbedingt ein Einsteigerfilm. Seine Virtuosität kommt in ganz anderen Filmen zum tragen. Trotzdem mag ich ihn sehr gerne, da ich ja gerade die Krimis aus diesen Jahren besonders mag. Ich glaube aber das du nach dieser Wertung noch viel Freude mit Argento haben wirst. Zudem bin ich mir sicher das der Film in deiner Gunst noch steigen wird. Zumindest habe ich es oftmals erlebt das seine Filme bei mehreren Sichtungen noch hinzugewinnen, sofern man dann auch mehrere von ihm kennt.
TheBjoern
19.10.2011, 13:16
Und ich dachte, es wäre ratsam mit diesem Film einzusteigen. Aber egal. Zugegeben seine Virtuosität, wie du es so schön genannte hast, habe ich taschlich vermisst. Zumindest habe ich sie erwartet.
Aber wie du sicherlich weist bin ich Filmen älteren Jahrgangs keineswegs abgeneigt und ich schaue sie mit immer unter berücksichtigung ihres Alters an und da war ich schon beindruckt was ich geboten bekam.
Ähnlich eines Hitchkocks ohne den Zynismus, der öfters bei ihm anzutreffen ist.
Tarantino1980
19.10.2011, 21:38
Am Wochenende habe ich meinen ersten Argento gesehen. "Die neunschwänzige Katzte" hat zu Beginn mit einem traumhaften Score von Morricone den Film eingeleitet. Da war ich schonmal begeistert.
Das freut mich sehr dies zu lesen! Wie deadly bereits sagte ist zwar Die neunschwänzige Katze nicht gerade der typische Argento Einsteiger Film. Bei mir war es Do you like Hitchcock? :nice: der mich auf diesen Mann, wenn damals auch noch nicht im Wissen wer Dario Argento eigentlich ist, hat aufmerksam gemacht. Ich denke von daher kann auch Die neunschwänzige Katze als guter Einstieg funktionieren! Und wenn Du bei dem Film den Score traumhaft fandest bin ich mir fast sicher das Dir der Score anderer Argento Filme auch sehr zusagen wird, da er immer sehr passend zum Film ist!
Die Geschichte ist spannend erzählt und die Thematik "Wer ist der Mörder" gefiel mir bereits bei Ms. Marple. Nur wirkt es hier düsterer.
Ein Grund ist unter anderem ist die besonderer Art der Kameraführung. Ungewöhnliche Einstellungen, Close-ups auf das Auge des Mörders, dynamische Egoperspektiven...
Auch hier wirst Du hoffentlich auch bei den anderen Argento Filmen merken das er an wahres Genie ist was Kamerafahrten und Kameraeinstellungen betrifft! Da gibt es unzählige Szenen die mir gerade im Kopf umherrschwirren. Bei diesem Film gab es auch ein paar schöne, aber wie bereits erwähnt hat er hier nicht sein komplettes Genie gezeigt, wobei ich den Film sehr mag!
Der zweite Kritkpunkt geht an die eher konventionelle Art des FIlmaufbaus. Wie bereits aus den obigen Kritiken hervorgeht, ist der Film eher harmloser Natur und mehr ein klassischer Krimi als ein echter Giallo. Wobei ich mir noch kein richtiges Bild davon machen kann, was nun ein "echter" Giallo ist, kann ich trozdem diese Meinung nachvollziehen.
Du hast Dir ja noch Profondo Rosso gekauft. Da bekommst Du einen "echten" Giallo geboten. Wenn Dir der gefällt kannst Du dann definitiv Dir auch andere Argento Perlen als Blindkauf zulegen!
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