PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Fremde in dir


Travis
07.06.2008, 11:37
Gesamtübersicht aller Kritiken zu Die Fremde in dir:

#02 07.06.08 Travis (http://www.filmvisionaere.com/showpost.php?p=212&postcount=2)
#03 07.08.08 Vince (http://www.filmvisionaere.com/showpost.php?p=12581&postcount=3)

Travis
07.06.2008, 11:38
Die Fremde in dir (http://www.ofdb.de/film/131384,Die-Fremde-in-dir)

Regisseur Neil Jordan (Interview mit einem Vampir, The Crying Game) ist normalerweise eher ein Mann der ruhigen Zwischentöne und feinen Nuancen. Mit „Die Fremde in dir“ katapultiert er sich allerdings schnörkellos in die ausgehenden 70er- / beginnenden 80er-Jahre zurück und nimmt sein Publikum auf eine Reise mit, die geradewegs in die Rächer- und Selbstjustiz-Thriller der damaligen Zeit mündet. Als wären die letzten rund 30 Jahre Filmgeschichte mit all ihrer politischen Korrektheit niemals gewesen, schließt er nahtlos an Werke wie „Ein Mann sieht rot“ an und zitiert unter anderem auch fleißig aus Scorseses „Taxi Driver“. Perfektes Bindeglied stellt hier Jodie Foster dar, aus deren Augen mit zunehmender Dauer immer mehr eine Iris blinzelt, die augenscheinlich viel Zeit mit ihrem „Retter“ Travis Bickle verbracht zu haben scheint. Passenderweise verliert sie ihre „Unschuld“, indem sie ihre ersten Schüsse in einer fast identischen Situation abfeuert, wie einst Travis Bickle in „Taxi Driver“. Die nächste Aktion ist dann eine überdeutliche Hommage an den rotsehenden Paul Kersey. Und genau in diesem Stil geht es den restlichen Film weiter. Zuseher, die hier einen differenziert-kritischen Umgang mit dem Thema Selbstjustiz oder gar eine Verteufelung dieser Handlungsweise erwarten, werden den Film mit zunehmender Dauer immer intensiver hassen. Denn die zumindest Anfangs noch selbstkritischen und ihre Handlungen und Emotionen hinterfragenden Monologe der Protagonisten erweisen sich sehr rasch als arg dünnes Deckmäntelchen, welches diese auch rasch abstreift und auch optisch visualisiert gegen eine rauhe Lederjacke eintauscht. Wer jedoch die angesprochenen Vorbilder mochte und diese auch nicht weiter hinterfragen wollte, der sitzt hier ganz eindeutig in der ersten Reihe und wird voll auf seine Kosten kommen. Was ganz besonders für das Finale gilt, in dem Neil Jordan noch einen entschiedenen Schritt weitergeht, als es sich beispielsweise Michael Winner in „Ein Mann sieht rot“ traute. Ein Film, der die Gemüter spaltet und jenen, die mit derartigen Werken etwas anfangen können, bestens unterhält.

7 / 10

Vince
07.08.2008, 11:36
Die Fremde in dir (http://www.ofdb.de/film/131384,Die-Fremde-in-dir)

"Die Fremde in dir" gibt mir große Rätsel auf... wie man zB. auf die Folie der DVD einen "Prädikat: besonders wertvoll"-Sticker kleben kann. Dialoge und Monologe der Hauptfigur mögen ja bisweilen sehr gut geschrieben sein und lassen auch tief in ihr Innenleben blicken, davon ab bewegt sich der Film in seiner Handlung aber auf orientierungs- wenn nicht gar hilflosen Wegen. Einerseits wird Fosters Figur eine linear verlaufende Verfremdung zugeschrieben (anfangs sind die Zusammentreffen mit den "bösen Menschen" noch zufällig, aber zunehmend sucht sie selbst den Kontakt zu ihnen), andererseits befindet sie sich in einem permanenten Wechsel zwischen von Agoraphobie geplagtem Opfertypus und eiskalter Selbstjustizlerin. Die spannende, aber unausgewogen zwischen Versatzstücken aus Drama, Thriller und gar Horror pendelnde Inszenierung unterstreicht diese Ambivalenz mit Nachdruck und das hanebüchene Ende macht alle positiven Ansätze eines Films zunichte, der sich redlich bemüht, die Fallen eines seriös aufgezogenen Revenge Movies zu umgehen, dies aber leider nicht immer schafft.
4,5/10

Dwayne Hicks
07.08.2008, 12:14
Ich werds nie verstehen warum der Film von TV Zeitschriften so gelobt wird.

Bei dem Ende was da abgeliefert wird ist der Film für mich nur noch lächerlich und unglaubwürdig

King-of-Leon
07.08.2008, 12:18
Dialoge und Monologe der Hauptfigur mögen ja bisweilen sehr gut geschrieben sein und lassen auch tief in ihr Innenleben blicken

Echt? Ich fand die so dermaßen pseudointelektuell, das es schlimmer schon nicht mehr geht. Der Foster hab' ich im Film einfach keine ihrer Handlungen abgenommen. Dazu kommen diese ganzen Zufallsmorde...erst der Typ in dem Laden, dann der im Zug, dann der Typ mit der Prostituierten usw.
Klar, im echten Leben passieren solche Dinge natürlich 3 Mal am Tag... :rolleyes:

Dazu noch ein paar Klischees und der Film war für mich gegessen.

Also meine erste Wertung lag bei einem Punkt, nach der ersten "geschockt-weil-so-schlecht"-Phase hab ich dann doch drei Punkte gegeben und ich denke, langsam pendelt sich der Film bei gut gemeinten 2 Punkten ein.

King-of-Leon
07.08.2008, 12:21
Bei dem Ende was da abgeliefert wird ist der Film für mich nur noch lächerlich und unglaubwürdig

ganz genau, nur dass du auch gleich noch "beim Anfang" und "in der Mitte" dazuschreiben kannst. ;)

Vince
07.08.2008, 12:32
Echt? Ich fand die so dermaßen pseudointelektuell, das es schlimmer schon nicht mehr geht.

In Verbindung mit der Filmhandlung sicherlich. Oder ich würde dann eher von "verlogen" sprechen. Für sich genommen konnte ich aber nichts Pseudointellektuelles daran finden. Intellektuell eigentlich sowieso nicht, weil die Worte aus dem Munde einer Radiosprecherin kamen, deren Job es halt ist, gewandt mit Worten umzugehen.

King-of-Leon
07.08.2008, 12:39
In Verbindung mit der Filmhandlung sicherlich. Oder ich würde dann eher von "verlogen" sprechen. Für sich genommen konnte ich aber nichts Pseudointellektuelles daran finden. Intellektuell eigentlich sowieso nicht, weil die Worte aus dem Munde einer Radiosprecherin kamen, deren Job es halt ist, gewandt mit Worten umzugehen.

Na ja, ich finde, damit wurde versucht, der Hauptdarstellerin eine besondere Tiefe zu verleihen, was aber mal total in die Hose ging.

Es waren ja schließlich Gedanken und ich bin der Meinung, dass man so einfach nicht denkt.

"Warum zittern meine Hände nicht?" und so weiter.

Das hat alles nicht gepasst. Mich hat es immer sehr an Old Boy erinnert, da werden auch ständig Gedankengänge und Zitate eingefügt, hier passt es aber wie die Faust aufs Auge, macht nachdenklich und lässt in die Gefühlswelt des Hauptcharakters eintauchen. Hier kams mehr so rüber, als hätte der Autor gedacht "hmm, jetzt schreibe ich einfach mal ein paar intelligent-klingende Sätze, die aber nicht wirklich eine Aussage haben".

Vince
07.08.2008, 12:53
Es waren ja schließlich Gedanken und ich bin der Meinung, dass man so einfach nicht denkt.


Hm, sowas finde ich immer etwas problematisch, weil sich "aus dem Bauch heraus" unmöglich sagen lässt, was man denkt und was nicht - vor allem was andere Personen betrifft.
Davon aber mal abgesehen handelte es sich eben nicht um Gedanken, sondern allenfalls um gedankliche Veräußerungen und das ist schon wieder was ganz anderes. Ich bezog mich jedenfalls ausschließlich auf die Monologe, die sie ins Mikrofon spricht, und die Dialoge, die sie mit anderen führt. An innere Monologe (wie man sie eben u.a. aus "Oldboy" kennt) kann ich mich jetzt gar nicht so richtig erinnern oder zumindest waren sie nicht so penetrant und vordergründig, dass sie sich mir eingebrannt hätten. Eigentlich geht es in dem Film doch mehr um das, was sie sagt, als an das, was sie denkt.

King-of-Leon
07.08.2008, 13:07
Hm, sowas finde ich immer etwas problematisch, weil sich "aus dem Bauch heraus" unmöglich sagen lässt, was man denkt und was nicht - vor allem was andere Personen betrifft.
Davon aber mal abgesehen handelte es sich eben nicht um Gedanken, sondern allenfalls um gedankliche Veräußerungen und das ist schon wieder was ganz anderes. Ich bezog mich jedenfalls ausschließlich auf die Monologe, die sie ins Mikrofon spricht, und die Dialoge, die sie mit anderen führt. An innere Monologe (wie man sie eben u.a. aus "Oldboy" kennt) kann ich mich jetzt gar nicht so richtig erinnern oder zumindest waren sie nicht so penetrant und vordergründig, dass sie sich mir eingebrannt hätten. Eigentlich geht es in dem Film doch mehr um das, was sie sagt, als an das, was sie denkt.

Ich denke schon, dass es Gedanken sind. Und soweit ich mir erinnern kann, stehen ihre inneren Monologe (also ihre Gedanken) schon oft im Vordergrund. Es kommen doch ständig Zitate wie "Warum zittern meine Hände nicht?" "Was mache ich blos?", oder so ähnlich.

Und die fand' ich einfach nicht passend.
Zumal ich finde, dass es vor allem bei diesem Film darauf ankommt, was sie denkt. Sie verändert sich doch innerlich, von der Hausfrau zur Killerin (grob ausgedrückt), da sind doch vor allem ihre Gedanken wichtig und nicht ihre Dialoge mit anderen Menschen, vor denen sie ja eher versucht, das ganze zu vertuschen.

deadlyfriend
07.08.2008, 13:21
Ich habe den Film bislang noch nicht gesehen. Irgendwie interessierte er mich aber auch von Anfang an nicht. Der Thread ermutigt mich jetzt auch nicht gerade dazu.

Vince
07.08.2008, 14:16
Und die fand' ich einfach nicht passend.
Zumal ich finde, dass es vor allem bei diesem Film darauf ankommt, was sie denkt. Sie verändert sich doch innerlich, von der Hausfrau zur Killerin (grob ausgedrückt), da sind doch vor allem ihre Gedanken wichtig und nicht ihre Dialoge mit anderen Menschen, vor denen sie ja eher versucht, das ganze zu vertuschen.

Doch, eben insofern, als dass über die Monologe und Dialoge zum Vorschein kommt, was in ihrem Inneren ist. Aber du hast schon Recht, es kamen auch Gedankenspiele vor; nur auf die bezog ich mich gar nicht in dem Kritikteil.

King-of-Leon
07.08.2008, 14:24
Doch, eben insofern, als dass über die Monologe und Dialoge zum Vorschein kommt, was in ihrem Inneren ist. Aber du hast schon Recht, es kamen auch Gedankenspiele vor; nur auf die bezog ich mich gar nicht in dem Kritikteil.

Ok, das wusste ich nicht.

Na ja, ich denke, wir haben eh genug über diesen "Film" diskutiert. :)

Vince
07.08.2008, 15:03
Och, also der gute Travis mochte ihn doch. ;)

JaredKimberlain
07.08.2008, 15:11
Och, also der gute Travis mochte ihn doch. ;)

Um Travis nicht allein darstehen zu lassen, ich fand den auch nicht so übel.
Unter dem Anspruch der kritischen Auseinandersetzung mit dem ja nun wirklich nicht leichten Thema macht er zwar nicht viele Punkte (wenn auch einige sehr interesante).
Als reiner Film der Unterhaltung hat er bei mir aber durchaus funktioniert.
Und gerade das Ende setzt für mich einen sehr brauchbaren aber auch eher ungewöhnlichen Schlusspunkt.
Aber ich bekenne mich auch schuldig, Filme dieser Thematik sprechen mich auf ganz niedriger und urzeitlicher Stufe an. :D

Gruß,
J.K.

Willy Wonka
07.08.2008, 15:18
Also meiner Meinug nach wurden die Monologe und Dialoge sehr gut umgesetzt. Hinzu kommt dass Neil Jordan die Atmosphäre der Stadt sehr gut eingefangen hat auch wenn die Stadt in Wirklichkeit vielleicht nicht so eine Atmosphäre versprüht. Aber das ist ja auch völlig egal. Der Film schafft es mit seinen Stil zu fesseln und den Zuschauer mitzunehmen auf einer Reise, doch das Problem ist das manche Zuschauer nicht ganz mit der Entwicklung der Reise zufrieden sind.
Ich war vom Ende ein wenig schockiert, aber dennoch ist es nicht schlecht.

Jodie Fosters Charakter wirkt im ganzen Film sehr einsam und die Gedanken und inneren Monologe passen einfach, möglicherweise würde ich es anders sehen wenn ich Oldboy kenne, da dieser Film es ja anscheinend besser gemacht hat.

Zu dieser gedrückten Stimmung wirkt die Musik aus der Feder von Dario Marianelli kongenial und vor allem das Lied Answer von Sarah McLachlan erzeugt Gänsehaut.
Wenn man sich auf der selben Wellenlänge mit den Intentionen von Neil Jordan befindet und wenn man sich einfach von den Film leiten lässt, dann besitzt dieser Film ein großes dramaturgisches Raffinement.

Obowohl Death Sentence die gleiche Thematik besitzt, hat er dennoch einen ganz anderen Stil. Und beide Filme überzeugen mich dadurch sehr.
Daher beide 9/10

JaredKimberlain
07.08.2008, 15:22
Jetzt sind wir schon drei. :rock:

Gruß,
J.K.

wuppi
07.08.2008, 18:18
Jetzt sind wir schon drei. :rock:

Vier...fühlte mich gut unterhalten. Allerdings so richtig nachvollziehbar und glaubhaft war die Wandlung des Hauptcharakters vom einsamen Gewaltopfer zur Selbstverteidigerin und dann zur Reinigerin der Stadt wirklich nicht. Aber dank dem unerwarteten Ende bleibt der dann doch ein wenig im Kopf hängen.

7/10

Alexboy
07.08.2008, 18:35
Fünf!:bart:

Hat mir auch sehr gut gefallen.
Bin deshalb auf Death Sentence sehr gespannt, da die Thematik ähnlich liegt!
Mrs. Foster hat mich in ihrer Rolle überzeugt und mir einen unterhaltsamen Abend beschert.
Die Gewaltdarstellung war angemessen.

8/10

JaredKimberlain
08.08.2008, 09:27
Ist unserer Hobby nicht cool, da kann man an einem Film quasi die gesamte Bandbreite der Geschmäcker ablesen und sich bis in die Unendlichkeit über Qualität, Darstellung etc. auslassen.
Ich liebe es. ;)

Gruß,
J.K.

dax
08.08.2008, 11:55
Ich zitiere mal aus dem Lexikon des internationalen Films 2008:

In ein intellektuelles Mäntelchen gezwängter, auf fadenscheinige Weise die moralische Notwendigkeit von Selbstjustiz behauptender Rachefilm, der sich oberflächlich und inszenatorisch nachlässig auf seine populitistische These einläßt.

Genau meine Meinung.

Gewollt, nicht gekonnt und nervtötend!

nach dem 2. Ansehen gebe ich nun noch ne

4/10

Travis
09.08.2008, 12:55
Ich zitiere mal aus dem Lexikon des internationalen Films 2008:

Nun ja, daß Lexikon des internationalen Films ist auch nicht unbedingt die allgemeingültige Meßlatte. Was ich da schon an Kommentaren des mitinvolvierten katholischen Filmdienstes gelesen habe, hatte mich mehr als einmal zu herzhaften Lachanfällen getrieben. Aber das nur nebenbei.

Ich habe den Film bisher nur das eine Mal gesehen und sehe bislang keinen Grund meine Meinung zu ändern. Kann aber auch sehr gut verstehen, weshalb man den Film nicht mögen oder auch schlichtweg ablehnen kann. Er hat seinen unbestreitbaren Nervfaktor, mit den wirklich dick in die Landschaft reingehämmterten Zaunpfählen der ewig moralisierenden Off-Gedanken/Ansprachen. Das hat mich auch gestört. Deutlich weniger und vor allem deutlich dezenter, wäre da wesentlich mehr gewesen. Der Rest ist allerdings aus meiner subjektiven Sicht aus gesehen als teilweise gut gelungen einzustufen. Liegt aber bei mir wahrscheinlich hauptsächlich in zwei Ursachen begründet. Zum einen mag ich die Filme von Neil Jordan und finde, daß er hier auch wieder eine atmosphärisch mehr als adäquat-gelungene Szenerie auf die Leinwand gebracht hat, die den Moloch New York sehr gelungen integriert. Zum anderen ist es wohl Jodie Foster, von der ich normalerweise kein wirklicher Fan bin. Dennoch fühlte ich mich durch viele Gesten und Blicke immer wieder an "Taxi Driver" erinnert. So als wäre Iris auf den Straßen New Yorks zurück, wollte ein normales Leben führen, bis das Schicksal sie knüppelhart trifft und sie wieder an Travis Bickle denken muß.
Viele ganz kurze Blicke und ein gelegentliches gewisses gefährliches Aufflackern in ihren Augen, keine Ahnung ob das beabsichtigt war, manifestierten diese Taxi Driver-Assoziationen in mir. Womit der Film einen Bonus bei mir bekam, den bestimmt nicht jeder nachvollziehen kann. Lediglich das Finale enttäuschte mich, da ich genau derartiges vermutet hatte und dann verärgert war, daß diese Befürchtung tatsächlich realisiert wurde. Das hätte man intelligenter lösen können.

Was Rächerfilme generell anbetrifft, die zumindest weitgehend auf dem Boden der Realität bleiben wollen, wird es wohl niemals eine alle Seiten befriedigende Lösung geben. Das moralisierende Moment, das Gewalt nur weitere Gewalt auslöst und somit kein probates Mittel zur Konfliktbewältigung darstellt, wird immer in irgendeiner Form mitschwingen. Ist sehr ähnlich wie mit Filmen rund um die Todesstrafe. Da kenne ich mit "Dead Man Walking" von Tim Robbins eigentlich nur ein Werk, daß den Balanceakt auf geniale Weise schafft und den Zuseher nicht zwangsläufig in eine bestimmte Richtung zu manipulieren versucht. Der Rest ist auch hier, wenn die Filme sich ernst nehmen, meist mit der Moralkeule zurechtgestutzt.

dax
09.08.2008, 17:56
Nun ja, daß Lexikon des internationalen Films ist auch nicht unbedingt die allgemeingültige Meßlatte. Was ich da schon an Kommentaren des mitinvolvierten katholischen Filmdienstes gelesen habe, hatte mich mehr als einmal zu herzhaften Lachanfällen getrieben. Aber das nur nebenbei..

Dem kann ich nur zustimmen!
Die meisten Kritiken sind dort noch grauenvoller als der kritisierte Film.
Oft werden sogar Genreperlen degradiert.
Nur hier, finde ich, haben die endlich mal den Nagel auf den Kopf getroffen.
Außerdem ist mir ein kleiner Fehler passiert: Es handelt sich natürlich um das Lexikon des internationalen Films 2007, da das Buch zu 2008 ja erst 2009 erscheinen wird.

LivingDead
10.08.2008, 15:44
Auch gerade gesehen und wirklich zufrieden bin ich nicht, auch wenn ich die Erwartungen runtergeschraubt hatte. Die Geschichte erinnerte mich teils fatal an die von "Catwoman", auch wenn das Thema seriöser angegangen wurde und die Story um Emanzipation und Selbstverwirklichung durch Rachsucht ausgetauscht wurde. Dennoch: Originalität ist was anderes. "Die Fremde in dir" punktet allerdings durch eine überragende Jodie Foster und der handwerklichen Perfektion, außerdem ist der Film besser als der inhaltlich ähnliche, aber wesentlich plumpere "Death Sentence". Daher noch:
5/10

Willy Wonka
10.08.2008, 23:08
"Die Fremde in dir" punktet allerdings durch eine überragende Jodie Foster und der handwerklichen Perfektion... 5/10

Also wenn diese beiden Komponenten besitzt ist das für mich auf jeden Fall mindestens 6/10 oder? Es sei denn das Genre sagt dir einfach nicht zu.

LivingDead
11.08.2008, 19:02
Also wenn diese beiden Komponenten besitzt ist das für mich auf jeden Fall mindestens 6/10 oder? Es sei denn das Genre sagt dir einfach nicht zu.

Och, also eine 5/10 ist doch noch lange nicht schlecht. Der Film ist nun einmal Durchschnitt, wenn auch gehobener. Nur ist mir die Story viel zu ausgelutscht, als dass ich da mit der Wertung höher gehen könnte, zudem ist der Schluss viel zu vorhersehbar und auch kaum nachvollziehbar...
Außerdem würde ich mein "perfekt" gerne streichen, da mich inszenatorisch dann doch ein paar Feinheiten gestört haben. Beispielsweise die etwas zu aufdringliche Kameraarbeit, welche wohl das Innenleben der Protagonistin darstellen sollte, als sie z.B. das erste Mal nach dem Überfall wieder vor die Tür tritt. Summa summarum machen das halt 5 Punkte.

King-of-Leon
11.08.2008, 19:06
Beispielsweise die etwas zu aufdringliche Kameraarbeit, welche wohl das Innenleben der Protagonistin darstellen sollte, als sie z.B. das erste Mal nach dem Überfall wieder vor die Tür tritt.

Schön, dass ich nicht der einzige bin, dem das aufgefallen ist. :hoch:
Das hat mich nämlich auch gestört.

crizzero
11.08.2008, 20:33
Obowohl Death Sentence die gleiche Thematik besitzt, hat er dennoch einen ganz anderen Stil.

Allerdings, einen wesentlich direkteren und noch traurigeren, finde ich. Und das macht ihn entscheidend besser. Aber allein Kevin Bacon wischt mit Jodie Foster sämtliche Böden auf... :)

dax
12.08.2008, 14:13
Allerdings, einen wesentlich direkteren und noch traurigeren, finde ich. Und das macht ihn entscheidend besser. Aber allein Kevin Bacon wischt mit Jodie Foster sämtliche Böden auf... :)

100 Prozent Zustimmung in allen genannten Punkten!:hoch:

crazyachim
09.01.2009, 22:55
So habe grade auch den Film gesehen und muss sagen überzeugt hat er mich auch nicht!
Eine junge Radiomoderatorin wird nach einem tödlichen Überfal auf ihren Verlobten zum coolen Killer:confused: Alles wenig Glaubwürdig!l
Auch das Ende finde ich nicht besonders überzeugend.


Trotz allen.

6,5/10

Despair
12.04.2011, 14:00
Ich zitiere mal aus dem Lexikon des internationalen Films 2008:

In ein intellektuelles Mäntelchen gezwängter, auf fadenscheinige Weise die moralische Notwendigkeit von Selbstjustiz behauptender Rachefilm, der sich oberflächlich und inszenatorisch nachlässig auf seine populitistische These einläßt.

Genau meine Meinung.

Gewollt, nicht gekonnt und nervtötend!

Das trifft's wirklich haargenau. Die aufdringliche Off-Stimme geht gar nicht, die teilweise völlig an den Haaren herbeigezogene Handlung auch nicht. Jodie Fosters Spiel ist für mich noch halbwegs ok, obwohl sie seit "Nell" keinen wirklich überzeugenden Film mehr abgeliefert hat und irgendwie immer eindimensionaler wirkt. In diesem Fall kommen ihre "Killer-Ausflüge" sehr gekünstelt daher, sie passen so gar nicht zu ihrem sonstigen Charakter. So richtig desillusioniert oder durchgeknallt kommt sie einfach nicht rüber. Der mit unglaublichem Scharfsinn gesegnete Polizist und das Ende fand ich einfach nur lächerlich.

Ich bin wahrlich kein Freund von Selbstjustizfilmen, aber ein wild durch die Pampa marodierender Charles Bronson ist mir immer noch lieber als dieser pseudointellektuelle Müll. Wegen der gelungenen Optik komme ich gerade noch auf

3/10 Punkte