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Despair
19.06.2010, 15:13
Gesamtübersicht aller Kritiken zu Aura - Trauma:

#02 19.06.2010 Despair (http://www.filmvisionaere.com/showpost.php?p=177862&postcount=2)

Despair
19.06.2010, 15:14
Aura - Trauma (http://www.ofdb.de/film/663,Aura---Trauma)

Die sechzehnjährige Aura ist gerade im Begriff, von einer Brücke in den Tod zu springen. Im letzten Moment hält sie der Journalist David zurück und bietet ihr seine Hilfe an. Widerstrebend nimmt die magersüchtige Aura Davids Unterstützung an, da sie sonst Gefahr läuft, von ihren Eltern wieder in die Klinik eingeliefert zu werden, aus der sie kurz zuvor entkommen war. Zu allem Überfluss treibt noch ein seltsamer Killer sein Unwesen, der es auf die Köpfe seiner Opfer abgesehen hat. Und der besucht ausgerechnet Auras Eltern...

Dario Argentos Versuch, den US-Markt zu erobern, war leider nicht besonders erfolgreich. Dabei hat „Aura – Trauma“ durchaus gewisse Qualitäten: einige schöne Kamerafahrten aus der Perspektive des Killers, eine stellenweise angenehm morbide Atmosphäre, eine kurze Hommage an Hitchcocks „Psycho“ und natürlich schwarze Handschuhe. Die typischen Farbenspiele sind etwas in den Hintergrund gerückt, aber noch vorhanden. In diesem Film ist ganz klar Weiß die Farbe des Horrors...

Leider ist die (gewohnt dünne) Story etwas zu konventionell ausgefallen, richtige Spannung kommt fast nie auf. Dafür bekommt man teils gewaltige Logiklöcher aufgetischt. Irgendwie bezweifle ich, dass abgetrennte Köpfe noch Worte formulieren oder gar schreien können...

Ebenso wenig passt der US-Schauplatz – ein Argento-Giallo muss einfach in Italien (oder zumindest in Europa) angesiedelt sein und kunstvoll verschnörkelte Villen beinhalten. Ok, eine Villa gibt’s hier auch, aber irgendwie ist es nicht dasselbe. Der Soundtrack stammt diesmal nicht von Argentos Stammkapelle Goblin, sondern von Pino Donnagio. Dieser hat wenig Spektakuläres abgeliefert, es bleibt rein gar nichts im Ohr hängen. Der Spannung ist das natürlich auch nicht gerade zuträglich. Die Morde gehen ausnahmsweise mal relativ blutarm und unspektakulär vonstatten, da ist man vom Meister Deftigeres gewohnt. Entweder war Tom Savini lustlos/unterfordert, oder es ist einiges der Zensur zum Opfer gefallen.

Die darstellerischen Leistungen gehen überwiegend in Ordnung. Asia Argento durfte zum ersten Mal die Hauptrolle in einem von Papas Filmen übernehmen und macht ihre Sache (trotz gelegentlicher Neigung zum Overacting) gut. Ebenso Piper Laurie, die aber leider etwas zu wenig Screentime hat. Auch Christopher Rydell als David macht eine gute Figur.

Fazit: „Aura – Trauma“ ist sicherlich keine Glanzleistung von Argento, trotzdem hat der Film seine Qualitäten. Die guten Momente sind zwar spärlich gesät und werden von tiefen Logiklöchern umgeben, aber das verzeiht man als Argento-Fan doch gerne und wartet auf bessere Zeiten. Und die kamen dann auch, wie „The Stendhal Syndrome“ oder „Sleepless“ beweisen.

7/10 Punkte

deadlyfriend
19.06.2010, 15:44
Klasse das du den Film hier mit rein gebracht hast.:hoch: Bald haben wir alle Argentos zusammen. Ich sehe den Film sogar recht ähnlich, aber es ist auch wieder etwas länger her. Aber auch das zeigt das ich lieber zu anderen greife, obwohl ich ihn als gut in Erinnerung habe. Er hatte wieder etwas mehr von einem Giallo, aber die Schauplätze hätte ich auch lieber an gewohnter Umgebung gehabt:D Ich glaube aber das ich mir den auch demnächst mal wieder ansehen werde.

Despair
20.06.2010, 00:40
Ich glaube aber das ich mir den auch demnächst mal wieder ansehen werde.

Mach das. Ich hatte den Film irgendwie viel schlechter in Erinnerung. Vielleicht war ich bei der Erstsichtung einfach zu sehr auf dem Gore-Tripp... ;)

deadlyfriend
20.06.2010, 01:04
Mach das. Ich hatte den Film irgendwie viel schlechter in Erinnerung. Vielleicht war ich bei der Erstsichtung einfach zu sehr auf dem Gore-Tripp... ;)


Mache ich in jedem Fall. Irgendwann wollte ich eh zu jedem Argento eine Rezension schreiben. Die nächste sollte Rosso werden, aber da brauche ich Zeit und Muße.

deadlyfriend
25.10.2010, 19:36
Mach das. Ich hatte den Film irgendwie viel schlechter in Erinnerung. Vielleicht war ich bei der Erstsichtung einfach zu sehr auf dem Gore-Tripp... ;)


Na, dann habe ich das doch glatt getan:D Ich bin jetzt irgendwie überrascht, da ich ihn heute viel stärker fand als früher. Wirklich viel stärker, sogar richtig Klasse! Das einzige was mich nach wie vor stört sind die sprechenden Köpfe. Ansonsten war alles einwandfrei. Die ruhige Kameraarbeit und auch die Entwicklung zwischen Aura und David, für die er sich sogar die richtige Zeit genommen hat.
Nur das "Reggae-Ende" mit der missmutig dreinblickenden Tanztussi, habe ich nie verstanden, während das Oberstück "Ruby Rain (http://www.youtube.com/watch?v=QnTSHGfVGIs)" über die Mistmusik geblendet wird. :confused: Asia fand ich ebenfalls sehr sehr gut, wobei mich schon etwas irritiert hat das Dario seine gerade mal 18 jährige Tochter, die im Film eine 16-jährige spielt, direkt mal zur Volljährigkeit blank ziehen lässt.

Despair
25.10.2010, 21:34
Asia fand ich ebenfalls sehr sehr gut, wobei mich schon etwas irritiert hat das Dario seine gerade mal 18 jährige Tochter, die im Film eine 16-jährige spielt, direkt mal zur Volljährigkeit blank ziehen lässt.

Wer seine 11jährige Tochter an Lamberto Bava für "Dämonen" bzw. seine 14jährige Tochter an Michele Soavi für "The Church" ausleiht, den stören wohl auch ein paar freigelegte Möpse nicht. ;)

Ich musste bei "New Rose Hotel" definitiv in mich hineingrinsen, als Asia sagte: "Ich bin nur ein unschuldiges kleines Mädchen aus Italien." :D

Tarantino1980
29.05.2011, 01:35
Sehr schöne Kritik Despair! Soll es wirklich inkl. mir nur drei Leute hier in diesem Forum geben die diesen Film gesehen haben :confused:. Als bekennender Argento Fan musste ich mir diesen Film natürlich auch ansehen. Er stand schon etwas länger in meiner Sammlung aber irgendwie wollte ich ihn wohl wie einen guten Wein nicht einfach konsumieren sondern mit Genuß irgendwann mal sehen. Dieser Tag war dann wohl heute ;)

Genauso wie Du Despair hätte ich mir auch gewünscht das der Film wieder in Italien oder sonst wo in Europa spielt. Gerade die Anstallt Szenen hätten viel bedrohlicher gewirkt wenn sie in einem düsteren alten Gemäuer gedreht worden wären und nicht in einer 08/15 Klinik aus den USA. Auch die Hotelszenen wären intensiver gewesen wenn es ein schönes runtergekommes Hotel irgendwo in einer kleinen Seitenstraße von Rom gewesen wäre! Ganz zu schweigen vom Finale, wenn es in einer schönen alten Villa in Italien gedreht worden wäre. Aber naja man kann nicht alles haben und da es ja offenbar ein Versuch von Argento war, den amerikanischen Markt zu erobern, war es natürlich nur logisch das viele Elemente einem amerikanischen Krimi/Thriller ähneln sollten.

Das einzige was mich nach wie vor stört sind die sprechenden Köpfe.

Die haben mich auch total gestört. Wirkte total albern und die haben mich auch immer, wenn nur kurz, aus der sonst schönen düsteren Stimmung des Films rausgerissen. Es wirkte einfach zu albern. Aber ich könnte mir vorstellen das Argento diese Szenen nur mit aufgenommen hat, weil man es halt tricktechnisch konnte. Vieleicht war das eine Idee die in seinem Kopf rumgeisterte die er schon länger einmal verwirklichen wollte. Anders kann ich es mir nicht erklären denn ich hätte es viel bedrohlicher gefunden hätte man im Gesicht des Opfers einen panisch aufgerissenen Mund und weit geöffnete Augen gesehen, als einen abgetrenten Kopf der noch irgendwas vor sich her murmelt oder sogar noch schreit. Das fand ich leider auch recht albern.



Ansonsten war alles einwandfrei. Die ruhige Kameraarbeit und auch die Entwicklung zwischen Aura und David, für die er sich sogar die richtige Zeit genommen hat.

Asia Argento und Christopher Rydell haben mir auch beide gut gefallen. Sie haben ihre Rollen gut gespielt und die Charaktere interessant gemacht. Natürlich war die junge Asia damals schon eine sehr hübsche Frau, wobei sie da halt noch sehr jung war. In The Stendhal Syndrome war sie natürlich schon eine ganze Ecke besser ;), aber man merkte auch hier schon ihr Talent und das es mal eine hübsche Frau wird.



Nur das "Reggae-Ende" mit der missmutig dreinblickenden Tanztussi, habe ich nie verstanden, während das Oberstück "Ruby Rain (http://www.youtube.com/watch?v=QnTSHGfVGIs)" über die Mistmusik geblendet wird. :confused:

Da bin ich ja froh das ich nicht der einzige bin der das Abspann-Ende nicht verstanden hat. Passte so garnicht zum Rest des Films. Also wenn einer genaueres weiß oder eine Theorie hat nur raus damit ;)

Dennoch ist es ein solider Argento Film der zu überzeugen weiß. Von mir gibt es eine 7.5/10