Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dancer In The Dark
Gesamtübersicht aller Kritiken zu Dancer In The Dark:
#02 19.06.08 Despair (http://www.filmvisionaere.com/showpost.php?p=937&postcount=2)
Dancer In The Dark (http://www.ofdb.de/film/10016,Dancer-in-the-Dark)
Die durch eine vererbte Augenkrankheit langsam erblindende Immigrantin Selma (Björk) hat nur ein Ziel im Leben: ihrem Sohn Jean dasselbe Schicksal zu ersparen. Um die teure Operation bezahlen zu können, arbeitet sie hart in einer Fabrik und spart, soviel sie kann. Als Ablenkung vom tristen Alltag wirkt sie in der örtlichen Laienschauspieltruppe an einer Musicalaufführung mit, wo sie als Hauptdarstellerin fungiert. Ihr Vermieter, der Polizist Bill (David Morse), hat ebenfalls Sorgen. Seine finanziellen Mittel sind aufgebraucht – eine Tatsache, die er vor seiner Frau nicht eingestehen will, da er Angst hat, von ihr verlassen zu werden. Doch er weiss von Selmas Ersparnissen...
Regisseur Lars von Trier hat ein aufwühlendes Drama im Dogma-Stil erschaffen, das sich nicht ganz an die Regeln hält. Der dokumentarische Stil weicht in den eingestreuten Musical-Einlagen einer farbenfrohen Bilderflut, die Selmas Tagträumereien und Wunschvorstellungen sehr gut wiedergeben – besonders, wenn man ihre Augenkrankheit im Hinterkopf behält. Untermalt werden diese Szenen mit Björks originellem Gesang und Musik, die zum Teil aus den der gegenwärtigen Umgebung entnommenen Geräuschen besteht (ein fahrender Zug, Industrielärm). Das klingt gewöhnungsbedürftig und dürfte manch potentiellen Zuschauer bereits im Vorfeld abschrecken – besonders die Fraktion der Björk-Hasser wird sich mit Grausen abwenden. Schade, denn so entgeht ihnen ein Drama, das an Intensität kaum zu überbieten ist.
Björk überzeugt in ihrer ersten (und höchstwahrscheinlich auch letzten) Filmrolle durch absolut authentisches Spiel, David Morse ist der hin- und hergerissene Polizist und auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt (Catherine Deneuve, Peter Stormare, Udo Kier).
Fazit: wer Lars von Triers Filme im Stil von „Breaking The Waves“ zu schätzen weiss, kommt um dieses Meisterwerk nicht herum. Die teilweise vorhandenen Längen fallen kaum ins Gewicht und werden durch das extrem heftige Finale mehr als wettgemacht. Das lässt in meinen Augen nur eine Wertung zu:
10/10 Punkte
Die wilde 13
15.03.2010, 19:31
Ich habe meine Scheu vor Lars von Trier beiseite gelegt und mir endlich einen Film von ihm angeschaut.Obwohl mir von der reinen inhaltlichen Seite seine Filme zusagten,war mir der Name von Trier mit soviel negativen bzw. kontroversen Attributen behaftet,das ich bisher die Finger oder besser gesagt,die Augen von ihm lies.Mit Dancer in the Dark hat mich von Trier schon mit seinem - für mich - ersten Film eines Besseren belehrt.
Nach einer kurzen Zeit der Eingewöhnung (Handkamera,unkonventionelle Schnitte und Unschärfen) war mir klar,das ich einem Filmerlebniss beiwohne,das ich so noch nicht hatte.Nachdem ich nach 3 Minuten schon dachte :"Das soll ich jetzt zwei Stunden aushalten ??" riss mich von Trier und vor allem Björk immer tiefer hinein in die Geschichte der Selma Jezkova.
Regisseur Lars von Trier hat ein aufwühlendes Drama im Dogma-Stil erschaffen, das sich nicht ganz an die Regeln hält. Der dokumentarische Stil weicht in den eingestreuten Musical-Einlagen einer farbenfrohen Bilderflut, die Selmas Tagträumereien und Wunschvorstellungen sehr gut wiedergeben – besonders, wenn man ihre Augenkrankheit im Hinterkopf behält. Untermalt werden diese Szenen mit Björks originellem Gesang und Musik, die zum Teil aus den der gegenwärtigen Umgebung entnommenen Geräuschen besteht (ein fahrender Zug, Industrielärm).
Mir ist aufgefallen,das die Musicalszenen zum Ende hin immer kürzer und farbloser wurden.Die erste in der Fabrik war ja schon fast hollywoodlike mit allem TamTam und ausschliesslich positiv,während es zum Ende hin (vor ihrer Verhaftung im Theater oder im Gericht) die Grundstimmung und die Musik immer düsterer wurden.Somit gehen die Musicalszenen den entgegengesetzten Weg,den man von ihnen eigentlich gewohnt sind.Immer positiv gestimmt und zum Ende das Happyend mit großem Trara und Gruppenkuscheln.Der Grund,warum ich bis auf wenige Ausnahmen,Musicals meide.Hier spiegeln sie gekonnt die Seele von Selma wieder,die in einem Dilemma gefangen ist,an dem man einfach scheitern muss.
Voller Schuldgefühle gegenüber ihrem Sohn,das er wie sie blind wird,ist es ihr lieber zu sterben und ihren Sohn zum (sehenden)Waisen zu machen,als weiter zu Leben (die Chance hat sie ja kurzfristig) und ihrem vielleicht blindem Sohn als liebende Mutter beizustehen und für ihn da zu sein.
Björk überzeugt in ihrer ersten (und höchstwahrscheinlich auch letzten) Filmrolle durch absolut authentisches Spiel, David Morse ist der hin- und hergerissene Polizist und auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt (Catherine Deneuve, Peter Stormare, Udo Kier).
Björk ist unglaublich.Zwar nimmt man ihr den Filmsohn nicht ab (vom äußeren und vom Alter her),aber sie spielt Selma mit einer Intensität,die einem schier den Atem raubt.Ohne sie wäre Dancer in the Dark nicht vorstellbar.Natürlich spielt die Musik und der Gesang von Björk dabei eine nicht unerhebliche Rolle.Auch Catherine Deneuve als Selmas mütterliche Kollegin überzeugt in einer Rolle,die doch eigentlich untypisch für sie ist.Einfach klasse.
Der Film wirkt lange nach und mir gehen seit gestern viele Szenen nicht aus dem Kopf.Vor allem die Schlussszene,die mich in ihrer Radikalität unweigerlich an Synedoche N.Y erinnern ließ.Daher bin ich froh,meinen inneren Schweinehund gegenüber Lars von Trier überwunden zu haben (an dieser Stelle mein Dank an kelte) und ich nun weitere Filme von ihm entdecken darf.
Wegen der Nachhaltigkeit erhöhe ich auf 9/10
klasse Kritik :)
ich liebe diesen Film und ebenso den guten alten Trier für seine Bildersprache. Ganz grosses Kino
Mir ist aufgefallen,das die Musicalszenen zum Ende hin immer kürzer und farbloser wurden.Die erste in der Fabrik war ja schon fast hollywoodlike mit allem TamTam und ausschliesslich positiv,während es zum Ende hin (vor ihrer Verhaftung im Theater oder im Gericht) die Grundstimmung und die Musik immer düsterer wurden.
Jetzt, wo du es sagst... ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Es wird wohl Zeit für einen erneuten Durchlauf. :D
Somit gehen die Musicalszenen den entgegengesetzten Weg,den man von ihnen eigentlich gewohnt sind.Immer positiv gestimmt und zum Ende das Happyend mit großem Trara und Gruppenkuscheln.Der Grund,warum ich bis auf wenige Ausnahmen,Musicals meide.
Musicals sind normalerweise auch überhaupt nicht mein Ding. "Sweeney Todd" mag ich, aber das ist nicht gerade typisch und außerdem von Burton - also ein must see. Genauso ist es mit "Dancer...", da ich von Trier und Björk sehr schätze.
Björk ist unglaublich.Zwar nimmt man ihr den Filmsohn nicht ab (vom äußeren und vom Alter her),aber sie spielt Selma mit einer Intensität,die einem schier den Atem raubt.
Dabei war sie zum Zeitpunkt des Drehs schon 35, also durchaus im passenden Alter. Ansonsten kann ich dir nur voll und ganz zustimmen.
Wegen der Nachhaltigkeit erhöhe ich auf 9/10
Noch ein paar Durchläufe, und du zückst die 10, wart's nur ab. :D Ich glaube, diesen Film kann man nur lieben oder hassen.
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